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11 Leute, 6 Standorte, 1 Netzwerk – CITYFÖRSTER network for architecture

CITYFÖRSTER? Klingt komisch ist aber so. Hinter dem zunächst etwas merkwürdig anmutenden Namen steckt eine Gruppe von 11 jungen Gestaltern, Architekten und Stadtplanern. Der Name ist allerdings alles andere als komisch oder gar willkürlich, der Name ist Programm.

Die CITYFÖRSTER begreifen die Stadt in all ihren Dimension und Maßstäben als ihren Handlungsraum. Sie vergleichen die gebaute Umwelt dabei mit einem Ökosystem ähnlich einem Wald, dass durch verschiedenste Akteure, Interaktionen und Prozesse bestimmt wird. Die Steuerung und Gestaltung des Systems Stadt ist also die Herausforderung, der sich die CITYFÖRSTER annehmen.

Dabei verfolgen die CITYFÖRSTER eine ganzheitliche Philosophie, die sie unter dem Titel „more with less“ zusammenfassen. Erklärtes Ziel ist nicht nur Architektur und Stadtentwicklung zu betreiben, die negative Umwelteinflüsse reduziert, sondern dabei auch noch eine größtmögliche positive Auswirkung auf unser Lebensumfeld zu bewirken. Bei ihrem Bestreben dieses Ziel zu erreichen machen sie daher nicht beim Umweltbewusstsein halt, sondern beziehen ökonomisch verantwortungsvolles Handeln, soziale Gerechtigkeit, Förderung kultureller Identitäten und natürlich auch eine ästhetische Gestaltung in ihre Entwürfe ein.

Aber der Name ist nicht das einzig ungewöhnliche, wie der Zusatz „network for architecture“ schon andeutet. Die Schlagworte heißen „Internationalität“ und „Flexibilität“, wo viele arrivierte Büros erst nach Jahren Zweigstellen in anderen Ländern aufbauen, arbeiten die Förster schon von Anfang an als Netzwerk mit Standorten in mehreren europäischen Städten.
Das Netzwerk, dass sich 2004 aus dem Symposium „Day off!…oder bewegt sich Architektur?“ entwickelt hat, nennt heute Hannover, Berlin, London, Rotterdam, Salermo und Oslo sein Zuhause. So ist es nicht verwunderlich, dass die elf Partner, die sich noch als Studierende an der Universität Hannover kennengelernt haben, nur 4 mal im Jahr tatsächlich gemeinsam in einem Raum sitzen, den Rest der Zeit erfolgt die Koordination per Telefon, über das Internet oder in monatlichen Videokonferenzen.

Das soll jedoch nicht heißen, dass die einzelnen Teile des Netzwerks am jeweiligen Standort festgewachsen seien. Die einzelnen Partner schließen sich sowohl untereinander als auch mit befreundeten Planern und Gestaltern immer wieder neu zusammen, um an Projekten zu arbeiten und so verlagert jeder auch mal den Standort für ein paar Tage um gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten.

Diese Arbeitsweise hat natürlich Vor- und Nachteile. Beispielsweise entstehen zum Einen durch die verschiedenen Standorte natürlich Wechselwirkungen und Impulse, mit denen man sonst nicht rechnen könnte, als wenn sich alle nur in einer Stadt aufhielten. Zum Anderen ist aber auch ein gewisses Maß an Disziplin und administrativen Aufwand nötig, damit die Arbeit im Netzwerk reibungslos abläuft.

Desweiteren dürfte es den meisten potentiellen Klienten nicht unbedingt Vertrauen eingeflößt haben, wenn das Gegenüber nicht ein Büro sondern im Grunde elf Freischaffende waren. Dies ist wohl auch einer der Gründe, weshalb die CITYFÖRSTER mit der Gründung einer Partnerschaftsgesellschaft nun seit Anfang des Jahres auch auf dem Papier ein Büro sind. Der Schritt von der kontinuierlichen Kooperation elf freischaffender Partner zu einer Gesellschaft ist nicht zuletzt ein Zeichen dafür, dass die Arbeit im Netzwerk funktioniert und Zukunft hat.

Es folgt nun eine kurze Vorstellung von zwei Projekten der CITYFÖRSTER, die wie ich meine repräsentativ für ihre Arbeitsweise und Philosophie sind:

Diamond Brise / Ghana

Diamond Brise ist der wohlklingende Name des Entwurf für den Sitz der New Lands comission in Accra/Ghana, der bei einem internationalen Wettbewerb den 1. Preis gewonnen hat. Bei dem Gebäude handelt es sich um die Hauptverwaltung des kürzlich gegründeten landesweiten Katasteramtes.

Besonders markant ist die äußere Gestalt des Gebäudes, die von diamant-förmigen parametrisch generierten Paneelen geprägt wird. Die Geometrie der Bambus verkleideten Elemente orientiert sich dabei an den Sonnenständen in der Region und sorgt so für eine optimale Verschattung und indirekte Beleuchtung.
Diese Elemente sind nicht nur für die Namensgebung verantwortlich sondern stehen auch exemplarisch für die Entwurfsphilosophie, die auf allen Ebenen des Entwurfs angewandt wurde und versucht auf die lokalen klimatischen und sozialen Bedürfnisse einzugehen, sowie ein Höchstmaß an Nachhaltigkeit herzustellen

Holistic Uniqueness / Helsinki

Holistic Uniqueness ist eine Zukunfstvision für den Großraum Helsinki des Jahres 2050. Der Entwurf hat in einem internationalen Wettbewerb den 2. Platz belegt und ist exemplarisch für die Philosophie der Förster.
Der Entwurf gründet sich auf globalen Entwicklungen (wie demografischen Wandel, Verknappung von Rohstoffen, etc.), greift aber auch bestehen lokale Potentiale auf, um eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. Daraus werden acht Regionen entwickelt, die sich durch eine spezifische programmatische und räumliche Struktur auszeichnen. Durch gegenseitiges Ergänzen und ein differenziertes Transport-System ensteht so ein vielseitiges Ganzes, das sowohl mit globaler Kompetenz als auch mit lokaler Identität aufwarten kann.

Bei den beiden vorgestellten Arbeiten handelt es sich nur um eine kleine Kostprobe des doch beachtlichen Portfolio des jungen Büros. Einen Überblick über sämtliche Werke, unter anderem auch einige interessante theoretische Arbeiten, kann man sich auf den Seiten des Büro cityfoerster.de machen.

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Christian Alles.
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