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gleich geht’s los…


…doch zuerst sind drei junge Männer zu sehen, die lässig bis skeptisch mit Kaffeetasse, Skizzenrolle und Moleskine am runden Tisch sitzend den Neugierigen ansehen. Noch haben sie nicht viel Gebautes vorzuweisen, aber die Projekte und Wettbewerbsbeiträge von kit zeigen, dass sich hier ein Büro auf den Weg gemacht hat, von dem man noch hören und hoffentlich bald auch etwas sehen wird. Während dieser Beitrag geschrieben wird, wurden kit beauftragt ein Einfamilienhaus zu planen.

kit sucht für seine Projekte thematische Schwerpunkte – die sie aktuell interessieren und beschäftigen – verknüpfen diese mit den vorgegebenen Randbedingen, um daraus eine vielseitig lesbare Architektur mit unverwechselbaren Raumerlebnissen zu entwickeln. kit strebt Projektlösungen an, die neben der gestalterischen Eigenständigkeit auf ökonomische, ökologische sowie soziale Nachhaltigkeit bedacht sind.

kit_wohnueberbauung_bruennen_bern_eingangssituation

Die folgenden drei Projekte charakterisieren die prozessorientierte Entwurfsstrategie von kit: Aus der anfänglichen Kontextanalyse entwickeln sie ein möglichst klares Entwurfskonzept. In Diskussionen, Diagrammen und Modellstudien wird dieses Konzept laufend hinterfragt und angepasst. Neben internen Debatten gehört für kit auch das frühe Gespräch mit externen Fachplanern zur optimalen Lösungsfindung von komplexen Aufgabestellungen. Auf dem Weg  zu einer ausdrucksstarken, klaren architektonischen Haltung ist es kit wichtig, dass jedes Projekt eine eigene Identität bekommt und diese nicht durch zu viele Ideen verwässert wird.

Wohnüberbauung Brünnen

kit_wohnueberbauung_bruennen_bern_innenhofEin aktuelles Projekt ist der Wettbewerbsbeitrag für die Wohnüberbauung Brünnen, eines von mehreren, in Projektwettbewerben ausgeschrieben Baufeldern neben dem Shopping Centre «Westside» von Daniel Liebeskind. Es gibt bislang nur einen Masterplan, noch sind fast keine der Baufelder bebaut. Daher wird der unmittelbare Kontext in naher Zukunft einem starken Wandel unterliegen. Einzige Bezugsparameter sind die Baufeldgrenzen mit den vorgeschriebenen Baulinien und ein städtisch dimensionierter Platz, der bereits erstellt wurde.

kit_wohnueberbauung_bruennen_bern_wohnzimmerkit entwickelt deshalb das Projekt aus seiner inneren Logik heraus. Als Ausgangspunkt für das räumliche Konzept dient die Analogie eines Bienennestes: seine modulare Wabenstruktur kreiert eine flexible Innenwelt, die sich in der äußeren Erscheinung den Umweltbedingungen (auch ein Hohler Stamm bildet eine Art „baurechtlicher Vorgaben“) anpassen kann. Es entsteht eine kompakte,  kubische, stringente Außenform. Den Gegenpol bildet ein verspielter Innenhof, dessen Fassadenabwicklung durch Rücksprünge das Bild mehrerer kleinerer, aneinander gereihter Häuser vermittelt. Alle Wohnungen werden über, vom Innenhof zugänglichen, Treppenhausanlagen erschlossen.

Die Grundrisse werden aus unterschiedlichen Kombinationen gleicher Fünfecke gebildet, die zur besseren Möblierbarkeit zwei rechte Winkel haben. Eingangshalle, Wohn- und Essbereich sind über Schiebetüren miteinander verbunden. Es entstehen fließende Raumabfolgen, die sich zwischen der Außen- und Innenwelt entwickeln.

Schulhaus Rafz

kit_schulhaus_rafz_aussenbildDas Projekt von kit für das Schulhaus Rafz ist ein Prototyp für die neue pädagogische Form der Grund- und Basisstufe, welche eine Verwischung der Grenzen zwischen Schulklassen verschiedener Stufen anstrebt. Die offene Lernlandschaft ist als poröse Raumstruktur konzipiert und ermöglicht starke Verbindungen zwischen Unterrichtszimmern, Verkehrs- und Spielräumen, Sporthallen und Außenanlagen.

kit_Schulhaus_Rafz_02Das bestehende Schulgelände ist durch drei Programmstränge strukturiert: Einer für Sport, einer für Schulfunktionen und ein Dritter als Erschließungs- und Mischzone. Dieses Organisationsprinzip wird in einem einfachen, aber programmatisch geladenen Volumen verinnerlicht, dessen Herzstück eine multifunktionale Zone bildet. Ein Raum der Begegnung und Orientierung, der interessante Beziehungen zwischen mehreren Etagen und Nutzungen ermöglicht. Einblicke in die Unterrichtszimmer, die Turnhallen oder den Innenhof schaffen eine verbindende Atmosphäre, wobei Einsichten durch Vorhänge kontrolliert werden können. Mehrere Bereiche mit spezifischen, räumlichen Qualitäten prägen diese Zone, die je nach Bedarf neu konfiguriert werden kann und als erweiterter Lern- und Spielraum oder in Kombination mit den Turnhallen für größere Sportanlässe oder gesellschaftliche Veranstaltungen dient.

kit_Schulhaus_RafzFür die gesamte Anlage wird die Strategie der extremen Kompaktheit verfolgt: Oberflächen sind minimiert, Abläufe und Prozesse optimiert und Synergien zwischen verschiedenen Nutzern maximiert. Damit erfüllt die transformierte Anlage nicht nur ökologische (Minergie Eco) und wirtschaftliche Ansprüche, sondern propagiert auch ein dichteres und nachhaltigeres urbanes Wachstum, in der durch Zersiedlung geprägten Landschaft des Schweizer Mittellandes.

Naturmuseum St.Gallen

Naturmuseum_St.Gallen_EingangssituationDer Wettbewerbsbeitrag von kit für das Naturmuseum St.Gallen versteht sich als Fortsetzung der umliegenden Landschaft, als Wechselspiel zwischen Gebäudemasse und Topographie. Das Volumen ist in zwei, einer tektonischen Verschiebung ähnlich gegeneinander verzogene Teile gegliedert. Die daraus resultierende Grundrissfigur orientiert sich an den zwei dominanten städtebaulichen Achsen: der Rohrschacherstrasse und der dazu diagonal verlaufenden Autobahn A1. Der volumetrische Versatz definiert klare Außenräume und verankert das Gebäude im Kontext.

Naturmuseum_St.Gallen_KonzeptdiagrammIm Innenraum wird das Landschaftsthema nahtlos weitergeführt. Der Besucher bewegt sich, geleitet von Aussichten in die Umgebung, spiralförmig durch die Ausstellung.

Naturmuseum_St.Gallen_ErschliessungEr genießt ein fließendes, kontinuierliches Ausstellungserlebnis ohne störende Zäsuren durch Trennwände oder Geschossplatten. Die erlebbare Sequenz unterschiedlich  proportionierter Räume wird durch die topographisch geformten Geschossplatten, den Sichtbetonwänden der tragenden Fassade und des Kerns definiert. Die großen, schlitzartigen Öffnungen lassen mit ihren tiefen Laibungen genügend Tageslicht in das Gebäudeinnere, ohne dabei die Ausstellungsexponate zu beschädigen.

Zur ergänzenden Vorstellung einige Antworten von kit auf Fragen von archiverse:

Was bearbeitet ihr schwerpunktmäßig und bevorzugt?

kit beschäftigt sich zurzeit hauptsächlich mit Wohnungs- und Bildungsbauten. kit interessiert sich jedoch für alle spannenden Bauaufgaben, die das Potential für eine innovative, architektonische Entwicklung und eine gegenüber Experimenten offene Grundhaltung beinhalten.

Aus welchem Anlass habt ihr euer Büro gegründet?

Wir wollten unsre eigenen Vorstellungen von Architektur umsetzen und mit unseren konzeptuellen Projektideen aktiv in den aktuellen Architekturdiskurs eingreifen. Nachdem wir aus unserer Tätigkeit in New York, London und Zürich die Wirtschaftskrise auf unterschiedliche Arten wahrnehmen konnten, waren wir überzeugt, dass wir eine Architektur finden müssen, die das funktional Pragmatische mit einem globalen, zeitgemässen Ausdruck, der jedoch vermehrt wieder lokale Eigenheiten berücksichtigt, verbindet.

Was sind aus eurer Sicht die Aufgaben der Gegenwart und Zukunft? Habt ihr als junges Büro andere Antworten darauf, als andere Büros?

Für kit spielt die Thematik des verdichteten Bauens, sowohl in städtischen als auch in ländlichen Strukturen und diejenige eines nachhaltigen Umgangs mit unseren Ressourcen, eine zentrale Rolle. Gegebene Strukturen, Konventionen und Gesetze sollen hinterfragt und falls notwendig, konstruktiv verbessert werden. Engt uns die Regulierungswut der Politik nicht immer weiter ein? Braucht es wirklich immer dickere Dämmschichten, um energetische Verbesserungen zu erzielen? Soll die Architektur zu einem Abbild von Bau- und Energievorschriften verkommen? Aus der Sicht von kit sollen philosophische Aspekte und gesellschaftliche Lebensformen wieder vermehrt in den architektonischen und städtebaulichen Diskurs einbezogen werden.

kit sieht in der horizontalen und vertikalen Verdichtung von gewachsenen Strukturen die Aufgabe der Zukunft. Welche Wohnformen gibt es, die das Bedürfnis des Individuums nach Eigentum im Grünen berücksichtigen aber gleichzeitig die sinnlose Ausweitung des Einfamilienhausteppichs stoppen? Wie können bestehende Häuser aufgestockt oder Restflächen bebaut werden?

Welches Buch schaut ihr gerade am meisten an?

Peripherie ist überall | Walter Prigge (HG.) | Frankfurt/Main; New York | Campus Verlag 1998 (Edition Bauhaus: Bd.1) | ISBN 3-593-36074-8

Mit welchen anderen Planungsbüros arbeitet ihr zusammen?

Für kit ist die Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams ein wesentlicher Bestandteil des Entwurfsprozesses. kit versucht deshalb bei jedem Projekt bereits in der Startphase mit erfahrenen Fachplanern und Beratern das Entwurfskonzept zu diskutieren. Meistens setzt sich das Planerteam mit Experten aus den Bereichen Landschaftsarchitektur, Tragwerksplanung, Haustechnik und Kostenplanung zusammen.

Was würdet ihr jungen AbsolventInnen mit auf den Weg geben?

Jeder sollte, das machen, was ihm Freude bereitet. Wer seinen Traum und seine Ideen hartnäckig verfolgt, wird sein Ziel irgendwann erreichen. Gegebenes kritisch zu hinterfragen und dann neu zu interpretieren lohnt sich. Ehrgeiz ist wichtig, jedoch nicht alles. Habt Spass!

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Autoreninfo

Jan-Hendrik Thiele.
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2 Antworten
  1. Mir gefällt der Entwurf ohne Türen im Wohnraum. Fassaden aus Glas sind auch schick.

  2. Ni Yilin says

    Das Naturmuseum St.Gallen gefällt mir wirklich sehr, es sieht so aus wie ein Buch mit vielen Seiten, man merkt schon auf dem ersten Blick das es ein kulturelles Gebäude ist. Leider gibt es keine Perspektive von dem Eingangsbereich, ich bin darauf sehr gepannt, wie er den Eingangsbereich organisiert hat, um die Leute ins Museum rein zu führen.

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