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Rein in die Organisation und von innen aufmischen!

Ganz so subversiv verlief das erste sogenannte “Newkammer”-Treffen der Architektenkammer Niedersachsen nun noch nicht, aber was nicht ist kann ja noch werden. Hinter dem Begriff „Newkammer“ verbirgt sich das Bestreben der Kammer Kontakt zur jungen Generation unseres Berufstandes zu bekommen und so frischen Wind in Struktur und Gremien der Kammer zu bringen. Eingeladen waren also junge Architekten, Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und Innenarchitekten, um in einer auf vier Stunden angesetzten Kickoff-Veranstaltung über Themen und Gestalt dieses neuen Arbeitskreises zu diskutieren.

Die junge Generation versammelte sich also am 20. Januar 2011 in der Fortbildungsstätte der Kammer am Laveshaus in Hannover. Das Treffen begann mit einem zugegebenermaßen traditionellen Grußwort des Geschäftsführers Mathias Meyer, in dem er sich für das zahlreiche Erscheinen bedankte und nochmals auf den Grundgedanken der Veranstaltung verwies, auch ließ er es sich nicht nehmen mit ein paar Ratschlägen zum Verfahren der Tagesordnung etwas vorweg zu greifen.

Dann hatten die Jungen jedoch das Wort. Die Moderation führte Meike Alonso, PR-Referentin der Kammer, die vor dem Einstieg ins Thema kurz per Handzeichen feststellen ließ, wer von den über 40 Teilnehmenden in welchem Berufsfeld arbeitet. Es waren 25 Architekten, 4 Innenarchitekten, 3 Landschaftsplaner und immerhin 1 Stadtplaner anwesend.

Anschließend wurde dem Vorbereitungskreis, bestehend aus Tatjana Sabljo (freischaffende Architektin), Oliver Seidel (cityförster – network for architecture) , Boris Steinweg und Stefan Höpfinger (beide sabo architekten) das Worte erteilt. Dieser hatte sich im Vorfeld Gedanken gemacht, welche Themen jungen Architekten besonders unter den Fingern brennen und stellte seine Ideen nun zusammengefasst unter den 6 Überschriften „Berufsbild“, „Einfluss auf die Berufspolitik“, „Öffentlichkeitsarbeit“, „Wissen“,  „Marktzugang“ und „Angestellte Architekten“ vor.

In einem weiteren Schritt konnten die Teilnehmenden die Vorschläge ergänzen, wobei auffällig war das gerade zu den Themen Berufsbild und Berufspolitik viel Diskussionsbedarf, wenn nicht sogar Unmut besteht.

So wurde zum Beispiel kritisiert, dass sich die vier Berufsfelder teilweise gegenseitig das Wasser abpumpen würden, indem sie auch Aufträge außerhalb ihres Kompetenzbereichs annehmen würden, anstatt zum Beispiel für Innengestaltung tatsächlich einen Innenarchitekten zu vermitteln. Desweiteren berichtete eine Teilnehmerin, dass sie vor kurzem erleben musste wie ein Klient ihren Entwurf zu einem anderen Bauunternehmer getragen habe, der den Bau anscheinend günstiger realisieren wollte. Erfahren habe sie davon, indem der Bauunternehmer sie als Freischaffende für die Ausführungsplanung anheuern wollte.

Aus solchen und ähnlichen anekdotenhaften Berichten, entwickelten sich im Laufe der Veranstaltung, Themen und Ideen die zukünftig weiter behandelt werden sollen. Um nur zwei davon zu nennen kam zum Beispiel der Wunsch nach Mentoring auf, also der Wissensweitergabe von erfahrenen Architekten an die Berufseinsteiger.

Ein anderes Anliegen war die Aufwertung des Berufimages. Gemeint ist damit die Diskrepanz zwischen der Leistung, die wir erbringen, und der Wahrnehmung bzw. Wertschätzung derselbigen. Diese Abweichung ginge teilweise so weit, dass es uns unangenehm sei gerade die anfänglichen Phasen des Entwurfsprozess in Rechnung zu stellen, nur weil sie uns auch Spaß machen und für den Kunden nicht unbedingt greifbar sind.

Schließlich gab es die Möglichkeit drei Themen zu wählen, die einen am meisten interessieren. Die drei Siegerthemen „Mentoring“, „Wettbewerbe“ und „Kompetenzaustausch“ sollen nun auf der nächsten Sitzung eingehend diskutiert werden. Zuletzt wurde auch noch kurz die Arbeitsweise der „Newkammer“ zur Diskussion gebracht; aus Zeitmangel verblieb man jedoch vorerst darauf sich alle 6 Wochen zu treffen und den genauen Modus der Arbeit im Laufe des Prozesses zu entwickeln.

Zusammenfassend lässt sich das erste Treffen als Erfolg bezeichnen. Auch wenn noch die Zeit gefehlt hat, um tatsächlich in die Diskussion einzusteigen, wurde jetzt schon die ein oder andere kritische, wenn nicht sogar unbequeme Frage gestellt. Die Teilnehmenden waren ausdauernd und blieben bis auf ein paar wenige die kompletten vier Stunden anwesend. Die anwesenden Kammervertreter hielten sich die meiste Zeit zurück und ließen die Jungen ihr Ding machen.

Das nächste Treffen der „Newkammer“ findet am 17.03.2011 im Spandau am Engelbosteler Damm statt. Bleibt nur zu hoffen, dass das nächste Treffen genau so gut besucht ist und das lockere Ambiente des Spandaus der Diskussion zuträglich ist. Die „Newkammer“ verspricht zumindest die Möglichkeit sich als Absolvent, junges Kammermitlglied oder sogar Student in die Diskussion mit einbringen zu können und auch Kritik loszuwerden.

Die Termine weiterer Sitzungen findet man unter “Aktuell” auf den Seiten der Architektenkammer Niedersachsen. www.aknds.de

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Christian Alles.
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