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Der große Traum der Selbstständigkeit

Laut Bundesarchitektenkammer ist der Anteil der freischaffenden Architekten nirgends in Europa höher als in Deutschland. Die Vorstellung sich selbst verwirklichen zu können und sein eigener Chef zu sein ist ja auch sehr verlockend. Aber wie sehen sie aus, die Schritte in die Selbstständigkeit?

Manche werden quasi durch Zufall selbstständig, durch ein erstes eigenes Bauprojekt, vermittelt durch Verwandte oder Freunde. Die Investitionskosten sind gering. Am wichtigsten ist es sich ein gut funktionierendes Netzwerk aufzubauen. Jeder zufriedene Bauherr ist per Mundpropaganda ein guter Multiplikator.

Beratung bekommt man bei der Architektenkammer, dem Rechtsanwalt, der Bundesagentur für Arbeit oder auch auf Existenzgründungsseminaren. Von der Arbeitsagentur kann man eine neunmonatige Förderung in Höhe seines Arbeitslosengeldanspruches bekommen, als Einstiegshilfe in die Selbstständigkeit.

Ist die Entscheidung für die Selbstständigkeit getroffen, stellt sich als nächstes die der Mitgliedschaft in der Architektenkammer. Ohne sie erlangt man den Titel „Architekt“ nicht und bleibt Diplomingenieur. Bachelor Absolventen ist der Beitritt generell nicht gestattet. Beitrittsvoraussetzungen sind eine zwei jährige Praxistätigkeit unter Aufsicht. Durch die Mitgliedschaft erhält man die Bauvorlageberechtigung, mit welcher man Bauanträge einreichen darf. Ist man selbstständig, führt demnach kaum ein Weg an der Kammer vorbei. Eine Alternative besteht darin, sich im Rahmen einer freien Mitarbeit in einem Büro anstellen zu lassen, in dem jemand bauvorlageberechtigt und somit in der Lage ist, die Bauanträge zu stellen. Freie Mitarbeiter sind in der Architekturbranche sehr häufig. Das bedeutet oft eine Tätigkeit für mehrere Büros sowie das Verzichten auf einen Kündigungsschutz und jede soziale Absicherung.

Eine weitere Alternative der Existenzgründung ist als Mitinhaber in ein bestehendes Büro einzutreten. Das Institut für Mittelstandsforschung fand mittels einer Studie heraus, dass 2005 insgesamt 5900 kleinere Unternehmen geschlossen wurden weil sich kein geeigneter Nachfolger für die altersbedingte Führungsübernahme fand. Es kann von großem Vorteil sein ein etabliertes Büro, sowie dessen Kundenstamm und Kontakte zu übernehmen.

Der Start in die Selbstständigkeit ist oft sehr schwierig, da neue Büros anfangs wenige Aufträge bekommen. Das Problem bei den jungen Büros liegt an der mangelnden Erfahrung und dem fehlenden Grundkapital, um Auftragsflauten zu kompensieren. Obwohl kaum die Chance auf Erfolg besteht, nehmen die Meisten an Wettbewerben teil. Hierbei gehen die Büros gratis in Vorarbeit. Selbst ein eventuell gewonnenes Preisgeld deckt die Umkosten fast nie.

Es gibt sie aber, die durchaus zahlreichen Erfolgsstorys junger Architekturbüros, die nicht aufgaben und sich mit innovativen, mutigen Konzepten durchgesetzt haben. Also traut euch, eure Ziele weit zu stecken.

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Caroline Hermesmann.
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