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OpenOperatingSystems

Beim Aufrufen der web_site von OOS findet man sich in einem Wald aus kreuz und quer stehenden Dachlatten mitten im brasilianischen Urwald wieder. Eine Woche später blickt man möglicherweise auf einen Messestand oder die Visualisierung einer Testplanung. Dahinter verbirgt sich das Architektur Team OOS, dessen Projekte ihren Spaß am Prozess vermitteln. Sie arbeiten in den Bereichen Architektur, temporäre Architektur und Raumentwicklung, bevorzugen offene Fragestellungen, komplexe Ausgangslagen und eine transdisziplinäre Arbeitsweise. Ein Blick auf drei von ihnen ausgewählte Projekte (s.u.) zeigt, dass hier keine Autorenarchitektur, sondern „programmed environments“ produziert werden.

Die web_site ist selbst ein teilprogrammierbares Environment. Sie lädt den User ein, die Projekte nach eigenen Interessen geordnet zu entdecken.

Die drei Projekte

Die Autobahnraststätte MYSTOP stellen OOS unter den Überbegriff „programmed environments“. Nicht nur der Innenraum, sondern auch das Markenkonzept und eine Markenumgebung galt es zu planen. Das bot die Möglichkeit, transdisziplinär zu arbeiten: OOS leitete ein Team von u.a. Grafikern, Lichtplanern, Beschallungs- und Duftspezialisten, um die Markenwerte zu entwickeln, räumlich zu übertragen und individuelle Verweilangebote für unterschiedliche Nutzungsdauern zu konzipieren. Das Ergebnis erinnert an Einkaufserlebnisse in international airports.

In ihrem Wettbewerbsbeitrag für den Schweizer Pavillon zur Expo 2010 in China präsentieren OOS ihr Bild der Schweiz als global vernetztes Land mit einer langen Tradition des internationalen Austauschs in Wissenschaft, Forschung und Kultur. Dieses Projekt ist für OOS wichtig, da es eine ganzheitliche Aufgabenstellung beinhaltete, die disziplinübergreifend bearbeitet werden konnte und eine hohe Komplexität aufwies.

Ihr Pavillon bereitet die Auseinandersetzung mit “was ist schweizerisch” und “was ist chinesisch?” auf und setzt die Antworten szenographisch um. Die Form entspricht einer abstrakten Interpretation der Schweizer Berge.

Das mehrgeschossige Gebäude Cube zeigt eine weitere Facette ihres Arbeitsverständnisses: Die Fassade aus gelochten, eloxierten Aluminiumprofilen entwickelte OOS basierend auf der Referenz alter Lochkarten. Mit Hilfe einer dafür programmierten Software wurde die Perforation von Einzelelementen, deren Anordnung im Fassadenbild sowie die direkte Übersetzung in die Produktion mittels “ParametricDesign” entwickelt.

Zur ergänzenden Vorstellung einige Antworten von OOS auf Fragen von archiverse:

Aus welchem Anlass habt ihr euer Büro gegründet?

Uns war ziemlich schnell nach dem Studium klar, dass wir etwas Eigenes machen wollten – wir hatten viele Ideen im Kopf, massenhaft Energie und schnell die ersten Aufträge. Die Basis unseres Schaffens sind Leidenschaft und unternehmerischer Ehrgeiz. Zehn Jahre später ist der Erfolg die beste Bestätigung.

Was sind aus eurer Sicht die Aufgaben der Gegenwart und Zukunft? Habt ihr als junges Büro andere Antworten darauf, als andere Büros?

Mit unseren “programmed environments” sehen wir Architektur nicht als isolierte Disziplin, sondern wir sprechen bewusst sämtliche Sinne der Nutzer an und schaffen gesamthafte Atmosphären. Ein Produkt/Raum setzt sich aus 6 Dimensionen zusammen: x * y * z + t + e + $ (Raum + Zeit + Emotionen + finanzielle Mittel). Letztlich geht es aber immer um Inhalte. Ohne Empathie für die zukünftigen Nutzer hat man keine Vision für neue Bedürfnisse. Die Form ergibt sich aus Kontext und Inhalt.

Habt ihr eine Büro-Philosophie? Oder lehnt ihr das ab?

Neugierde gepaart mit unternehmerischem Denken. Was heute ist, ist morgen anders. Wir betrachten Bestehendes kritisch, stellen die Fragen anders; denken weiter.

Was würdet ihr jungen AbsolventInnen auf den Weg geben?

Es gibt kein formales Dogma. Architektur entwickelt sich aus Bauch, Hand und Hirn. Zufälligkeiten, Stimmungen, Ängste und Träume sind Teil des (Entwurfs-)Prozesses. Es gibt keinen Grund sich einzuschränken.

Facts:

Bei OOS arbeiten zwölf Nationalitäten zusammen – vom Standpunkt der kulturellen Durchmischung wahrlich ein «Open Operating System».

OOS wurde am 24. Dezember 2000 von Andreas Derrer, Christoph Kellenberger, Lukas Bosshard und Severin Boser in Zürich gegründet. Seit 2009 erweitert Christiane Agreiter als Partnerin das Führungsteam.

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Autoreninfo

Jan-Hendrik Thiele.
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