. .

POP!

…ist das Erste, was mir beim Anblick der Homepage der belgischen Architekten dmvA durch den Kopf schoss. Die Aufmachung ist ungewohnter Weise schreiend bunt; es blitzen Bilder einer nackten Frau und einer Pickel übersäten Stirn auf. Provokativ geht es auch im Text zu, mit Slogans wie „No Style – Why should you restrict yourself?“ und „Architecture inspired by sex“. Ein Alleinstellungsmerkmal ist dieser Web-Auftritt auf jeden Fall! Vielleicht keine schlechte Taktik, um auf sich aufmerksam zu machen, wo andere Büros eher auf schwarzweiß und Minimalismus setzen.

Jetzt fragen wir uns natürlich, ob die Architektur des Büros das hält, was die aufsehenerregende Webpage verspricht. ..

In einigen Blogs wurde das Projekt Blob vB3 schon vorgestellt und diskutiert , vgl. hierzu ArchDaily, designboom und Gizmodo; ein kleines zusätzliches Schmankerl: die herrlich sarkastischen Kommentare, bei denen sich die Geister scheiden, ob es sich nun um eine sinnfreie Design-Spielerei handelt oder um eine innovative Wohnform.

Viel bodenständiger war die Aufgabenstellung beim Projekt House S in Mechelen: eine Einfamilien-Reihenhaus Erweiterung. Das Reihenhaus, vielerorts als Ausdruck einer spießigen, mittelständischen Lebensart verpönt, erfährt hier ein grundlegendes Make-Over.

Zur Straße hin geht es noch relativ zurückhaltend los: Metallblenden mit Seifenblasen-Muster schützen die bodentiefen Fenster vor allzu neugierigen Blicken. Die roten Klinker wurde durch schwarze ersetzt. Spannend wird es im Inneren des Hauses: Das Zentrum bildet ein Void – ein über die drei Etagen gehender Lichtraum – der durch eingezogene Glasböden begehbar ist. Um den Void sind die Zimmer und die Treppe hinter gleichförmigen Türen verborgen. Ein spannender Raum, den man in einem Reihenhaus nicht erwarten würde!

Das ganze Interieur ist in einem kühlen, glatten Weiß gehalten; hier befindet sich der allseits beliebte Minimalismus. Spielsachen und andere “Unordentlichkeiten”, die zum Familienleben gehören, können in Einbauschränken verborgen werden. Zum Garten hin schieben sich die Räume kubisch nach außen und öffnen sich mit großen Glasflächen zum Grün, das auch in Anlehnung an die Architektur „kubisch“ getrimmt ist.

Der ein oder andere Pädagoge könnte zu bemängeln haben, dass das sterile Innere aus Glas- und Lackflächen nicht sonderlich kindgerecht sei… Aber bei so viel Klarheit und Licht schlägt das Architekten-Herz gleich viel höher!

Exemplarisch sehen wir also an diesem Projekt, dass der Webauftritt uns nichts Falsches versprochen hat: Auch räumlich finden wir einige radikale, neue Ideen. Über die Sinnigkeit des ein oder anderen Designs lässt sich durchaus diskutieren; ebenso über die Wirksamkeit der vereinzelt eingesetzten poppigen Elemente und Farben. Das bleibt Geschmackssache. Sicherlich macht dmvA das Polarisieren Spaß, sodass die Diskussion um Architektur und Design weiterhin lebendig gehalten wird.

  • Facebook
  • Twitter
  • Print
  • del.icio.us
  • MisterWong
  • Digg
  • Wikio
  • Google Bookmarks

Ähnliche Artikel

  • Keine ähnlichen Artikel

Autoreninfo

Kristina Pertermann.
Weitere Artikel der Autorin oder des Autors werden nach einem Klick auf den entsprechenden Namen angezeigt.

2 Antworten
  1. Fabius says

    Lehrreicher Blogpost. Interessant, wenn man sowas auch mal aus einer anderen Perspektive ansehen kann.

  2. Tolga says

    Gute Überschrift…genau so knallig wie die Interentaufmachung des besagten Büros. Hält was er verspricht!

Kommentieren

XHTML: Du kannst diese Befehle nutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>